


Wie ein Sushi entstand, das das Make-up der Maiko bewahrt – und eine neue Welt aus japanischem Tee und Temari-Zushi schuf
Nakagyō-ku, Kyoto – Shinmachi-dōri Sanjō Agaru. In einer stillen Gasse, nur sechs Gehminuten vom Bahnhof Karasuma Oike entfernt, eröffnete im April 2018 das „Temari-Zushi to Nihoncha SOUDEN" (手鞠鮨と日本茶 宗田). Temari-Zushi sind mundgerechte Sushi-Kreationen, die einst ersonnen wurden, damit Maiko sie bei Banketten genießen können, ohne ihr kunstvolles Make-up zu gefährden – mit großzügigem Belag und kompaktem Reis. Diese zeitlose Form hat sich bis heute erhalten. Gründer und Küchenchef Sōya Yokota (Jahrgang 1985) verband diese eleganten Sushi mit einem innovativen Konzept: der Paarung mit japanischem Tee. Damit brachte er frischen Wind in die Kyotoer Lunch-Szene. Mit rund 15.000 Instagram-Followern vereint das Lokal bildschöne Ästhetik mit kulinarischem Genuss.
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In Google Maps öffnenDie Vision des Gründers Sōya Yokota
Yokota sammelte bereits als Oberschüler erste Erfahrungen in der Gastronomie. Nach dem Studium vertiefte er seine Ausbildung mit dem Ziel, sich selbstständig zu machen. Mit 26 Jahren eröffnete er das „Sumibiya Kazuya", 2015 folgte „Kungin Kazuya", und 2018 schließlich „Temari-Zushi to Nihoncha SOUDEN". Sein erklärtes Ziel: zehn verschiedene Konzepte in zehn Restaurants – ein echter kulinarischer Unternehmer.
Gesunde Temari-Zushi – mit weniger Zucker und Salz
Die Temari-Zushi bei SOUDEN unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichem Sushi. Statt auf Zucker und Salz zu setzen, werden sie mit Daidai-Zitrussaft (Bitterorange) und aromatischen Gewürzen verfeinert – ein bewusst gesunder Ansatz. Der Anblick von 14 farbenprächtigen Temari-Zushi aus saisonalen Zutaten ist schlicht überwältigend.
Japanischer Tee, aufgegossen mit weichem Wasser aus der Tetsubin
Auch beim japanischen Tee legt SOUDEN höchste Maßstäbe an. Weiches Wasser, das sich ideal für japanischen Tee eignet, wird in einer traditionellen Tetsubin (Gusseisenkanne) erhitzt. Jede Tasse wird mit der für die jeweilige Teesorte optimalen Temperatur und Menge sorgfältig von Hand aufgegossen. Der Geschmack wandelt sich mit jedem der drei Aufgüsse bei unterschiedlichen Temperaturen – eine Tiefe, die an feinen Whisky erinnert. Das Verkostungsset mit drei Sorten (Hōjicha, Karigane und Gyokuro) ist für 1.500 Yen auch einzeln erhältlich.
Unsere Empfehlung
Das monatlich wechselnde Lunch-Set (4.800 Yen) ist das Aushängeschild des Hauses: 14 Temari-Zushi, drei Tempura-Variationen, drei Obanzai-Beilagen (Kyotoer Hausmannskost), Chawanmushi (Eierstich), Dessert und japanischer Tee – ein wahrhaft opulentes Menü. Auch die Dessertplatte zum Abschluss genießt einen ausgezeichneten Ruf. Abends werden Menüs ab 8.000 Yen serviert, bei denen saisonale Zutaten und japanischer Tee perfekt aufeinander abgestimmt werden. Das Restaurant bietet 30 Sitzplätze (auch an der Theke). Yūzen-gefärbte Stoffe, Tische aus massiven Holzbohlen und ein kleiner Tsuboniwa-Garten mit Wasserfall hinter der Theke schaffen eine Atmosphäre, in der Tradition und Moderne harmonisch verschmelzen.
Tipps zur Stoßzeitenvermeidung
Das Mittagessen ist ausschließlich mit Reservierung möglich (auch für Takeaway), daher ist eine Voranmeldung unerlässlich. Besonders an Wochenenden kann das Restaurant Wochen im Voraus ausgebucht sein. Empfehlenswert sind Werktage direkt zur Öffnung um 11:00 Uhr oder die Afternoon-Tea-Zeit ab 14:00 Uhr. Reservierungen über die offizielle Website oder telefonisch unter 075-746-4422.
Entdeckungsguide für das Viertel Karasuma Oike
Empfohlene Spazierroute
Von SOUDEN aus lohnt sich ein Bummel zur nur fünf Gehminuten entfernten Burg Nijō sowie zu den zahlreichen Machiya-Cafés entlang der Shinmachi-dōri. Die Gegend um den Bahnhof Karasuma Oike ist auch Kyotos größtes Geschäftsviertel, gespickt mit traditionsreichen Wagashi-Konditoreien und kleinen Antiquitätenläden in versteckten Gassen.
Die beste Jahreszeit
Frühling (März–April): Ideal in Kombination mit der Kirschblüte an der Burg Nijō. Herbstlaub (November): Die Kyoto-Machiya entlang der Shinmachi-dōri erstrahlen in herbstlichen Farben. Sommer (Juli–August): Das Restaurant liegt an der Route der Yamahoko-Prozession des Gion-Matsuri – mitunter gibt es rund um das Fest spezielle Menüs.
Verborgene Perlen in der Nachbarschaft
- Smart Coffee (スマート珈琲店): Traditionsreiches Kaffeehaus an der Sanjō-dōri, seit 1932. Die Hotcakes (dicke japanische Pfannkuchen) sind legendär
- Rokkaku-dō (Chōhō-ji / 六角堂): Ein nur wenige Schritte entfernter altehrwürdiger Tempel, berühmt als „Tempel der Blumen"
- Nishiki-Markt (錦市場): Die „Küche Kyotos", in etwa zehn Gehminuten erreichbar
- SOU・SOU Tabi: Ein Designshop, der traditionelle japanische Textilkunst zeitgenössisch neu interpretiert